Freizeit- und Wanderkarte Villmar

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1250-jahre-aumenau

Rundwanderweg V1 – Durch die Lahntalhänge zwischen Villmar und Runkel

Gesamtlänge ca. 11 kmHöhenlage 114 – 166 m ü NN 

Der erste Rundwanderweg führt uns durch eine herrliche Flusslandschaft mit Einblicken in vielfältige Lebensräume von heutigen Tieren und Pflanzen als auch in 380 Millionen Jahre Erdgeschichte. Biotope und Geotope lassen sich hier nebeneinander erfahren.

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(Copyright der Kartengrundlage ist das Landesvermessungsamt)

Der erste Rundwanderweg führt uns durch eine herrliche Flusslandschaft mit Einblicken in vielfältige Lebensräume von heutigen Tieren und Pflanzen als auch in 380 Millionen Jahre Erdgeschichte. Biotope und Geotope lassen sich hier nebeneinander erfahren. Startpunkt des Rundweges ist der Parkplatz an der Villmarer König-Konrad-Halle am Ortseingang aus Richtung Runkel. Seit dem 15. Jh. ist am Standort eine herrschaftliche Mühle belegt, welche je zur Hälfte den Mattheiser Grundherren und deren Vögten unterstand. Im 19. Jh. begann die Nutzung durch die Marmorindustrie, wovon das noch erhaltene Turbinenhaus zeugt – heute wird hier elektrischer Strom erzeugt. Der Blick hinauf zum Flecken Villmar zeigt uns die das Ortsbild dominierende barocke Pfarrkirche St. Peter und Paul über den Resten von mittelalterlicher Ortsbefestigung und Vogteiburg auf dem südwestlichen Felsvorsprung. Die heute bebauten Hänge zur Lahn wurden bis zu Beginn des 19. Jh. als Weinberge genutzt.

Wir folgen dem Weg flussaufwärts durch die Grünanlagen über ein Gelände, das früher von den hier ansässigen Nassauischen Marmorwerken geprägt war. Noch erhalten ist das Haus der Bildhauerdynastie Leonhard rechts auf der Straßenecke Am Lahnufer/Leonhardstraße , welche hier von 1750 bis 1899 wirkte. In die Anlagen ist ein kleines Freiluftmuseum integriert, welches die verschiedenen Techniken der Steinbearbeitung erläutert. Der Weg führt uns entlang der Lahn auf die dreibogige Marmorbrücke zu, eines der wichtigsten Wahrzeichen von Villmar. Die in ihrer Art einzige Brücke wurde 1894/95 überwiegend aus heimischem Lahnmarmor erbaut und stellt heute ein technisches Denkmal dar. Bei näherer Betrachtung fällt die Vielfarbigkeit des Steins auf, welche besonders seit der Renovierung der Brücke 1994/95 wieder zur Geltung kommt. Um auf die Brücke zu gelangen, folgen wir ca. 100 m vor dem Bauwerk dem Wegweiser nach rechts über Treppen zur Straße Am Lahnufer, wenden uns dort nach links und überqueren den Fluss. Auf dem westlichen Brückenkopf erinnert seit 1996 die vom Villmarer Bildhauer Walter Schmidt aus Lahnmarmor gefertigte Statue des Hl. Johannes Nepomuk an die Ankunft der aus ihrer Heimat vertriebenen Sudetendeutschen 1946 in Villmar.

Unser Rundweg führt nun die Rampe hinab zum Bahnübergang. Hier lohnt sich ein Abstecher zum Naturdenkmal Unica: Nach rechts über die Bahnlinie, am Bahnhof vorbei und dann nach links den beschilderten Weg hinauf zu den Steinbrüchen. Rechter Hand ein erster aufgelassener und teilweise verfüllter Bruch, der vor allem der Kalksteingewinnung für die Eisenverhüttung diente. Nach kurzer weiterer Strecke führt ein Pfad rechts hinab in den Unica-Bruch, worin glatt gesägte und im unteren Bereich polierte Wände ein einmaliges Schaufenster in die Erdgeschichte des Mitteldevon (vor ca. 380 Millionen Jahren) darbieten. Geologisch gesehen handelt es sich beim Lahnmarmor um Massenkalk, einen dichten Kalkstein, welcher wegen seiner Polierfähigkeit technisch als „Marmor“ bezeichnet wird, auch wenn es sich hier nicht um umgewandelten (metamorphen), kristallinen „echten“ Marmor handelt, wie er z.B. aus Carrara bekannt ist. Die Kalksteinvorkommen gehen auf Riffbildungen zurück, welche in einem tropischen Flachmeer – unser Gebiet lag damals auf ca. 20° südlicher Breite – auf vulkanischen Rücken und Inseln aufwuchsen. Von diesem Vulkanismus zeugen die verbreiteten Vorkommen von Diabas (Lava) und Schalstein (Tuff) im Gebiet der Lahnmulde zwischen Katzenelnbogen im Westlichen Hintertaunus und Wetzlar. Hier am Ort haben wir den Kern eines Riffs vor uns, welches von Stromatoporen genannten Schwämmen aufgebaut wurde. Diese Tierkolonien sind gut an ihren teils polsterförmigen, teils blumenkohlartigen Formen zu erkennen mit Jahresringen ähnlichem Wachstum. Daneben finden sich zahlreiche weitere Fossilien: Seelilien, Korallen, Armfüßler und andere Bewohner des Devonmeeres. Für den Fachmann ist dieser geologische Aufschluss wie ein aufgeschlagenes Buch, das von der Erdgeschichte berichtet, und so wurde der Unica-Bruch zu einem beliebten Exkursionsziel von Geologen aus nah und fern. Der Verein Lahn-Marmor-Museum bietet zudem Führungen für interessierte Besucher an. Die violettrote Farbe des Unica-Marmors geht auf Eisenverbindungen zurück welche im Zusammenhang mit der Bildung von Erzlagerstätten in das Gestein eindrangen.

Zurück am Bahnübergang folgen wir dem Lahn-Radweg R7 flußabwärts entlang der 1845 erbauten Schleuse und biegen etwa 150 m hinter dieser nach rechts ab. Rückblickend bietet sich eine schöne Sicht auf den Marktflecken über der Lahn. Der Weg quert an einem mit einer Anrufschranke gesicherten Übergang die Bahnlinie und führt uns zunächst nach rechts und dann nach links am Waldrand entlang einer Trockenmauer hinauf zur Ibachs-Eiche. Die Mauer stützt eine größere Abraumhalde des dahinter liegenden Unica-Bruchs. Vor Erschließung der Brüche erstreckte sich hier bis zur heutigen Schleuse ein markanter Felsvorsprung; sowohl Bahnlinie als auch der Schleusenkanal mussten mittels Sprengungen durch das Gestein vorangetrieben werden. Dieser durch die Marmorgewinnung weitgehend abgetragene Felsen mag die heute gänzlich verschwundene Burg Gretenstein getragen haben, welche von den Isenburger Vögten erbaut und kaum fertig gestellt 1360 vom späteren Trierer Erzbischof Kuno Falkenstein vollständig zerstört wurde. Leider ist keine genaue Lage der Burg überliefert, allenfalls gibt es Indizien, wie z.B. die Bezeichnung „Gretenstein“ für den Steinbruch südlich des Unica-Bruchs. Ein Grund für den Burgenbau mag eine bessere Kontrolle des Lahnübergangs an der Furt unterhalb der heutigen Schleuse gewesen sein, welcher damals in Konkurrenz zum Runkeler Lahnübergang stand. Dieser verfügte zwar im 14. Jh. noch nicht über eine Brücke, war aber durch die dortige Burg gesichert

Die Ibachs-Eiche erinnert an Johannes Ibach, Limburger Domvikar, Pfarrer und Dekan in Villmar 1869-1908. Auf ihn gehen viele Baudenkmäler im hiesigen Raum zurück, so z.B. die Südtürme des Limburger Doms, das Villmarer Pfarr- und Schwesternhaus, die Loretokapelle und die reiche Marmorausstattung der Villmarer Kirche. Daneben war Ibach auch politisch aktiv als Abgeordneter des Zentrums im preußischen Landtag – was ihm in der Zeit des Kulturkampfes manche Widrigkeiten einbrachte. Oberhalb der Ibachs-Eiche erreichen wir die ebene Lahnterrasse und folgen in scharfem Bogen nach links dem Lahn-Höhenweg (Markierung weißes „L“). Nach etwa 250 m gehen wir in einer Rechtskurve halb links einen schmalen Pfad in den Wald hinein. Er führt uns an einem alten Grenzstein vorbei auf die Karlsteine, wo sich von einem Felsbalkon ein schöner Blick auf die gegenüber liegende Bodensteiner Lay mit dem König-Konrad-Denkmal bietet. Bodenstein und Karlsteine bilden bedeutende natürliche Kalkfelsen an der Lahn. An dieser Stelle durchbricht die Lahn den Villmarer Massenkalkzug, wodurch sich das Tal auf weniger als 200 m verengt. Bis ins 19. Jh. zogen  sich die Kalkklippen des Bodensteins sogar bis weit in die Lahn, wurden aber im Zuge der Schiffbarmachung gesprengt, wovon noch der Ausbruch mit den überhängenden Felspartien unten am Fluss zeugt.

Wir begeben uns zurück zum Waldrand und folgen dort nach links wieder dem Lahn-Höhenweg, welcher uns hinter einer großen Wiesenfläche in ein verbuschtes Gelände führt, wo wir scharf links abbiegen (Markierung „L“ beachten). Wir gelangen auf einen grasbewachsenen Weg, der auf halber Höhe im Lahntalhang verläuft. Diese sonnigen Südhänge (Runkeler Wehrberge) wurden einst für den Weinanbau genutzt, wovon die durch vielfach zerfallenen Trockenmauern zeugen. Die Trockenrasen und Mauerreste haben mediterranen Charakter und bieten wärmeliebenden Pflanzen und Tieren einen wertvollen Lebensraum, weshalb die Hänge zwischen Villmar und Runkel mit den Karlsteinen und der Bodensteiner Lay unter Naturschutz stehen. Der Lahn-Höhenweg führt uns allmählich abwärts bis vor einen unbeschrankten Bahnübergang und von dort nach rechts, teilweise über Treppen und Felsen hinauf auf die Wehrley von Runkel, wo ein Aussichtspavillon (Dr.-Otto-Bruchhäuser-Tempel) zu einem Blick über die Lahnauen und auf das Städtchen Runkel mit seiner mächtigen Burganlage einlädt. Die Felsen der Wehrley bestehen aus vulkanischen Gesteinen des Devon (Diabaslava und Schalstein), die vielfach untermeerisch austraten und im Kontakt mit dem Meerwasser typische rundlichen Formen (Kissenlava) ausbildeten, ein Vorgang, der auch heute z.B. auf Hawaii beobachtet werden kann.

An der modernen katholischen Kirche mit ihrem weithin sichtbaren schlanken Turm erreichen wir den Ortsrand von Runkel.  Von der Kirche gehen wir zunächst nach links die Straße entlang und dann weiter über einen Fußweg hinunter zur Schadecker Straße. Hier wenden wir uns nach links, überqueren die Bahnlinie und gelangen über die mittelalterliche, 1440 bis 1448 erbaute Rundbogenbrücke zur Altstadt von Runkel mit der Burg auf einem schroffen Diabas- und Schalsteinfelsen, deren wehrhafte dreitürmige Ostseite sich uns entgegenstellt. Zusätzlich war in früherer Zeit die Brücke mit einer Toranalage und Zugbrücke auf der rechten Lahnseite gesichert. Der verkehrsgeographisch wichtige Lahnübergang war denn auch wohl der Anlaß, diesen durch eine Burg zu kontrollieren, die von den Herren von Runkel vermutlich im Auftrag des Reichs erbaut wurde. Erstmals erwähnt wurde sie im Jahre 1159, dürfte aber älter sein. Im Zuge eines ab etwa 1250 auftretenden Familienstreites um Besitz- und Erbansprüche wurde ab 1288 auf der gegenüber liegenden Lahnterrasse die Burg Schadeck von einem Vetter des damaligen Burgherren als Trutzburg errichtet. Im Dreißigjährigen Krieg wurden am 15. Oktober 1634 die Burg und der Ort von österreichischen Truppen zerstört. Danach wurde die Haupt- oder Kernburg nicht wieder aufgebaut; die Gebäude der Unterburg sowie einige Wirtschaftsgebäude wurden jedoch in den folgenden Jahren wieder hergerichtet oder weiter ausgebaut. Auf den noch zur Runkeler Gemarkung zählenden Südhängen unterhalb von Burg Schadeck wurde bis 1929 der Runkeler Rote angebaut, bis die Reblaus leider den Weinbau an der mittleren Lahn vernichtete. Derzeit wird eine kleinere Weinlage dieses einst berühmten Rotweins an der historischen Stelle wieder neu angepflanzt.

In der Altstadt folgen wir der engen Gasse unterhalb der Kernburg nach rechts und sehen nach einer Linkskurve auf der rechten Seite den Glockenturm der evangelischen Kirche, dessen Unterbau ein Wehrturm der ehem. Stadtmauer von Runkel bildet; Reste der Ringmauer mit einem Rundbogenfries erkennt man noch anschließend an den Turm. Die Kirche selbst dagegen befindet sich auf der linken Seite oben an der Burg. Wir biegen links ab und gelangen am linker Hand gelegenen roten Backsteinbau des Rathauses (ehem. Amtsgericht aus dem 19. Jh.) vorbei hinauf zum Burgplatz mit dem Eingangstor zur Burganlage. Hier lohnt sich eine Besichtigung der Burg, von deren Bergfried sich ein weiter Rundblick über das Limburger Becken und dessen Randhöhen von Taunus und Westerwald bietet. Die Burg besteht aus einer Ober- oder Kernburg und einer Unterburg.

Die Oberburg ist seit ihrer Zerstörung eine Ruine, die jedoch begehbar ist. Auf der höchsten Stelle des Felsens gegenüber der Lahnbrücke steht der besteigbare Bergfried. Ihn umstehen die mächtigen Ruinen des Palas und weiterer ehemaliger Wohngebäude, die zur Lahnseite hin schon fast das Aussehen einer Schildmauer haben. An beiden Enden des rund 40 Meter langen Gebäudetraktes befindet sich jeweils ein mächtiger Wehrturm, die dem Bergfried in Höhe und in Mauerstärke kaum nachstehen. Man kann daher bei der Burg Runkel von einer der sehr seltenen Burgtypen sprechen, die drei Bergfriede besitzt.

Die Unterburg wurde nach der Zerstörung des Dreißigjährigen Kriegs im 17. und 18. Jahrhundert wieder auf- und ausgebaut. Sie besteht aus zwei- bis dreistöckigen Gebäuden, die sich U-förmig südlich an die Oberburg anschließen und einen geschlossenen Innenhof bilden. Weitere ehemalige Wirtschaftsgebäude befinden sich innerhalb eines Vorhofes, der von einer Ringmauer umgeben wird. Die im Gegensatz zur Oberburg noch gut erhaltenen Gebäude der Unterburg werden heute noch überwiegend von der Familie des Prinzen zu Wied genutzt.

Vom Burgplatz führt unser Weg entlang dem Burgraben wieder hinunter zur Lahn. Im Mittelalter war der Graben so tief, dass die am Wehr aufgestauten Wasser der Lahn um die Burg und die Altstadt herumgeführt werden konnten und so Burg und Stadt Runkel zu einer mit Mauer und Wassergraben geschützten Anlage machten, die als uneinehmbar galt. Die Sicherheit innerhalb der Mauern führte auch dazu, dass die Einwohner des ursprünglichen Ortes Wenigenvillmar (1154 Villmar minor = „kleineres Villmar“) in die befestigten Orte Schadeck und Runkel übersiedelten und somit dieser Siedlungsplatz ausstarb. Wenigenvillmar befand sich an der Biegung der heutigen Schadecker Straße ziwschen den beiden Orten und bis zum heutigen Tage erinnert der gemeinsam genutzte Friedhof daran. Hier befand sich einst die mittelalterliche Kapelle von Wenigenvillmar, das zum Villmarer Kirchspiel und Zehntbezirk zählte und den Mattheiser Grundherren unterstand. Dieser Zustand währte sogar bis über die Reformation in Runkel und Schadeck hinaus bis zur Säkulariserung 1803.

Unten folgen wir der Straße in Richtung Villmar und zweigen dann nach ca. 400 m halb rechts in den Ellersweiher Weg Richtung Brechen ab. Die Straße führt die Anhöhe hinauf und dort, wo diese scharf nach rechts abknickt, folgen wir links durch das Neubaugebiet Kappesborder Berg dem Wegweiser zur Kriegsgräberstätte. Von dieser gelangen wir auf dem linkslahnischen Lahn-Camino (Jakobsweg, Markierung gelbe Muschel auf blauem Grund) zu einem Aussichtspunkt oberhalb eines aufgelassenen Schalsteinbruchs (Vorsicht, Weg nicht verlassen – Absturzgefahr!). Bei klarem Wetter erkennt man in Verlängerung des Lahnverlaufs am Horizont den Gipfel des Großen Feldbergs (878 m) im Hohen Taunus. Ein Serpentinenweg führt uns nach rechts hinab in das reizvolle und botanisch wie historisch interessante Ansbachtal. Das Lahntal gliedert sich im Limburger Becken in ein mehrere km breites Obertal mit weiten Terrassenfluren und ein darin eingesenktes enges steilhängiges Untertal mit der heutigen Flußaue. Dem relativ raschen Einschneiden der Lahn in das sich hebende Rheinische Schiefergebirge während des Eiszeitalters konnten die meisten Seitenbäche nicht folgen, so dass sie von ihren Quellgebieten auf der Hochterrasse durch eine enge Schlucht in das Untertal der Lahn münden. Der Ansbach ist ein typisches Beispiel dafür.

Nach Erreichen des Talweges wandern wir diesen aufwärts und sehen hier verschiedene Pflanzengesellschaften an eher trockenen (Hänge) bis sehr nassen und sumpfigen Standorten (Auenbereich mit Erlenbruch und seitliche Quellen, die den Weg teils stark durchnässen). Störend wirken nur die artenarmen und standortfremden Fichtenbestände, welche in den nächsten Jahren im Zuge von landschaftspflegerischen Maßnahmen (das Tal ist als Naturschutzgebiet vorgesehen) beseitigt werden sollen. Der Ansbach bildet hier die natürliche Grenze zwischen Runkel und Villmar, welche auf der westlichen Uferseite verläuft, erkennbar an einigen erhaltenen Grenzsteinen. Bis 1803 war dies eine Landesgrenze zwischen Kurtrier und Wied-Runkel. Die nach O und SO exponierten Hänge der Runkeler Talseite waren in früherer Zeit Weinberge. Nach der Einmündung einer seitlichen Talmulde von Westen her erkennen wir links des Weges vor dem Bach einen mit Fichten bestandenen Wall. Hier stand einst die Runkeler Ölmühle und der Wall zeugt von einem Damm, der den Ansbach aufstaute. Dies gab im späten 16. Jh. Anlass zu einem landeshoheitlichen Streit, da die oberhalb liegenden Wiesen auf Villmarer Gemarkung überschwemmt wurden.

Im weiteren Verlauf weitet sich das Tal nach einem schluchtartigen Abschnitt mit starkem Gefälle, wo der Ansbach über Schalsteinkaskaden plätschert, rechter Hand zu einem Wiesengrund. Hier überqueren wir den Bach und folgen einem Bogen nach links dem Lahn-Camino auf die Höhe in die Villmarer Gemarkung. Rechts des Weges öffnet sich ein verfallener Stollen; vermutlich wurde hier nach Eisenerz geschürft – schriftliche Quellen dazu gibt es aber nicht. Oben zweigt nach links ein schmaler Pfad ab, auf dem wir zu dem auf einer bizarren Schalsteinklippe errichteten Ansbacher Kreuz gelangen, welches zu allen Jahreszeiten einen malerischen Anblick bietet und zur kurzen Rast und Besinnung einlädt. Vor allem zur Passionszeit ist das Kreuz ein beliebtes Ziel Villmarer Spaziergänger. Erstmals errichtet wurde es vermutlich um 1900, der Standort an sich aber mag viel älter sein, handelte es sich doch um eine wichtige Landmarke, zumal man sich die Hänge des Tals in früherer Zeit weitgehend waldfrei und als Weinberge oder Weideland genutzt vorstellen muss. Während er NS-Zeit wurde das Kreuz abgesägt und der Korpus geschändet. Nach dem II. Weltkrieg erstand ein neues Holzkreuz mit restauriertem Corpus; 1988 wurde das morsche Holz auf Privatinitiative abermals erneuert und mit einem Schutzdach versehen.

Wir gehen zurück zur Abzweigung und erreichen von dort nach kurzer Strecke den Waldrand. Diesem folgen wir durch einen Wiesengrund und dann immer weiter entlang der Hangkante des Lahntals. Nach Süden und Südwesten öffnen sich die weiten Feldfluren des ebenen Obertals und des Südlimburger Beckenhügellands. Im Norden und Nordosten sehen wir jenseits der Lahnterrasse die flachwellige Gaudernbacher Platte im Weilburger Lahntalgebiet und im Osten vor uns Villmar mit dem Galgenberg (277 m) im Hintergrund. Bei klarem Wetter grüßt schließlich am Horizont der Große Feldberg mit seinen Türmen. Schließlich erreichen wir einen asphaltierten Feldweg und wandern nach links hinunter zur Landstraße Runkel-Villmar. Wir gehen geradeaus entlang der Straße, vorbei an den Resten der Verladestation des linker Hand gelegenen Marmorbruchs Bongard bergauf und gelangen zum Parkplatz am König-Konrad-Denkmal auf der Bodensteiner Lay.

Von dem steilen Massenkalkfelsen haben wir einen herrlichen Blick lahnaufwärts nach Villmar und lahnabwärts  nach Runkel und Schadeck. Gegenüber erkennen wir die Karlsteine, von denen aus wir auf dem Hinweg herübergeblickt haben. Das Denkmal erinnert an Konrad I., König der Deutschen und Graf des Niederlahngaus, der von 911-918 regierte. Er verzichtete im so genannten Weilburger Testament zugunsten seines Konkurrenten Heinrich von Sachsen auf den Thronanspruch der Konradiner. Ursprünglich sollte das Denkmal in Weilburg, der Residenzstadt Konrads, auf dem Landtor aufgestellt werden. Als die Entscheidungsträger in Weilburg dies verweigerten, fand es 1894 nicht zuletzt durch die Vermittlung von Dekan Ibach hier auf der Bodensteiner Lay seinen ungewöhnlichen Platz. Bedingt durch wiederholten Vandalismus fehlt heute leider die Krone in der Hand des steinernen Königs – sein nachdenklicher Blick auf die imaginäre Krone in der leeren Hand hat aber nun eher noch mehr Symbolkraft.

Wir kehren zurück zum Parkplatz, überqueren die Straße und folgen dem Lahn-Camino durch den gegenüberliegenden Hangwald, wobei sich durch die Bäume immer wieder ein schöner Blick auf den Marktflecken an der Lahn bietet. Kurz vor Erreichen des Waldrandes befindet sich auf einer kleinen Kuppe das Friedenskreuz aus  60 Marmorsorten. Es wurde 1991 nach einem Entwurf des Bildhauers Walter Schmidt vom Villmarer Jahrgang 1930/31 an Stelle eines früheren Holzkreuzes errichtet. Am Waldrand führt uns ein Pfad nach links steil hinab zur Landesstraße, wo wir nach kurzer Strecke unseren Ausgangspunkt an der König-Konrad-Halle erreichen.