Freizeit- und Wanderkarte Villmar

„Villmarer Fahne“ wieder erhältlich

Generationenhilfe Villmar

Das Wetter von wetter.com

Fehler: Die Wetterdaten konnten nicht abgerufen werden.

1250-jahre-aumenau

Entstehen des Lahnmarmor

Villmar an der Lahn ist das Zentrum der Vorkommen und der Verarbeitung des sogenannten Lahnmarmorseines wegen seiner reichen Farbigkeit hochgeschätzten Kalksteins, der nicht, wie Marmor, in größerer Tiefe unter sehr hohen Druck geriet (dabei hätte er seine Farbigkeit und seine dekorative Zeichnung verloren).

Entstanden ist der Lahnmarmor als Sedimentgestein und aus Riffen des Devonmeeres vor ca. 350 Mio. Jahren. Aus dem Devonmeer stiegen die ersten Wirbeltiere an Land; seine Temperatur konservieren wir bis heute in unserem Blutkreislauf.

Der hohe Kalkgehalt des Devonmeeres begünstigte das Wachstum von Muscheln, Krebstieren und Schnecken sowie der Riffbildner: Schwämme, Stromatoporen und Korallen. In flachen Lagunen verrottete ein reicher Pflanzenwuchs; der im Faulschlamm entstehende Kohlenstoff färbte den sich bildenden Kalkstein schwarz und grau. Eine lebhafte vulkanische Tätigkeit ließ eisenhaltiges Wasser über den sich bildenden Kalkstein fließen und in ihn eindringen – es färbte ihn hell- und dunkelrot, braun und gelb. So entstanden die vielen Varietäten des Lahnmarmors, vom schwarzen, weiß- oder goldgeäderten Schupbacher bis zum schwarz-rot-geflammten Unica und zum hellrot geschleierten Bongard in Villmar.

Entdeckt und abgebaut wurde der Lahnmarmor nach bisheriger Meinung seit dem 16. Jahrhundert; Grabungen im Römerlager Xanten lassen heute vermuten, daß ihn schon vor 2000 Jahren die Römer kannten und nutzten.

Der Verein „Lahn-Marmor-Museum“ will die Entstehung des Lahnmarmors, seine Vorkommen, die Geschichte und Technik seiner Gewinnung und Verarbeitung vorstellen. Als ein „offenes Museum“ will er neben einem zentralen Gebäude, das der Dokumentation sowie der geologischen, technischen und soziologischen Information dienen soll, auch Marmorbrüche und Werkstätten, dazu auch Anwendungsbeispiele in der nächsten Umgebung einbeziehen. Der Verein wird mit den Universitäten in Mainz und Marburg sowie mit der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft und weiteren wissenschaftlichen Institutionen eng zusammenarbeiten.

Die Vorkommen des Lahnmarmors sind heute, wo nicht erschöpft, so doch nicht mehr konkurrenzfähig gegen Billigein-» fuhren. Der Verein „Lahn-Marmor-Museum“ will die große Geschichte des Lahnmarmors noch einmal in Erinnerung bringen. Lahnmarmor fand vielfache Verwendung in „prominentem“ Zusammenhang, so z.B. in den berühmten Epitaphien des Mainzer Domes, beim einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen in der Abtei St. Matthias in Trier, im barocken Marmorbad des Weilburger Schlosses, an den Altären der Mannheimer Jesuitenkirche und der Klosterkirche Amorbach, in der Eremitage in St. Petersburg und am Empire State Building in New York, im Wiesbadener Kurhaus oder im Palast des Maharadja von Tagore in Indien.

Die Entstehung eines Stromatoporen-Riffs im Devonmeer ist nirgends in der Welt so klar zu sehen wie im Unica-Bruch in Villmar.

Er wird das Kernstück des künftigen Lahn-Marmor-Museums sein. Der Aufschluß im Villmarer Unica-Bruch – eine in zwei Terrassen gegliederte, etwa 6 Meter hohe, 15 Meter breite, gesägte Wand – gilt als ein sehr seltenes, vielleicht in der ganzen Welt sogar einmaliges Zeugnis der Entwicklung eines Stromatoporen-Riffs.

Stromatoporen sind urtümliche, in Haufen- bis Dampfdomform lagig wachsende Meerestiere des Devon, die sich auf felsigem Untergrund ansiedelten. Stromatoporen sind älter als die Korallen und starben offenbar mit dem Ende des Devonzeitalters aus. Die Stromatoporen gelten neben Schwämmen und Korallen als Riffbildner des Devonmeeres.

Im Villmarer Riff werden etwa 20% der Stromatoporen in der Lebendsituation gefunden, die übrigen sind abgelöst, umgestürzt und z.T. in Trümmer zerschlagen. Anhand der Stromatoporen, die sich in Lebendstellung befinden, läßt sich das Wachstum des Riffs verfolgen. Sedimente decken immer wieder die Stromatoporen zu, die sich ihrerseits bemühen, wieder über die Sedimentschicht hinauszuwachsen. Im Sediment sind Reste von Muscheln, Schnecken, Seelilien usw. enthalten. Die Form des Riffs mit Brandungs- und Leeseite zeichnet sich im umgebenden Sediment deutlich ab.